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Festivalseelsorge

Weil Menschen an Festivals sind

Festivalseelsorge am Greenfield-Festival 2019

Seelsorge am Festival? Und dann erst noch an einem Festival harten Jungs und Mädchen? Das mag auf den ersten Blick erstaunen – sind doch Festivalbesucher in erster Linie am Festival, um mit ihren Freunden zu feiern und nicht, um über ihre Probleme zu sprechen.

Wann platzt dir der Kragen?

Es waren heisse Tage. Schon im Juni. Als die krassen Hitzetage noch gar nicht begonnen haben. Der Schweiss tropfte mir über die Hände, während wir das Plakat mit der Frage «Wann platzt dir der Kragen?» vor dem Festivalgelände am Greenfield in Interlaken montiert haben. Wenige Minuten später knallte es laut. Die Blicke richteten sich auf den Urheber des Knalls, der den ersten Rekord beim Ballonplatzen aufstellte. Seinem Ballon ist beim Wettbewerb an der «Ansprechbar» wortwörtlich der Kragen geplatzt.

Die Frage des Wettbewerbs ist eine Metapher, die für sich spricht: Hinter dem Wettbewerb steckt nämlich ein ökumenisches und multiprofessionelles Team aus Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die sich am Festival Zeit für Menschen nehmen, deren Kragen nicht nur wörtlich platzt, sondern auch im übertragenen Sinn.

Festivalseelsorge ist «ansprechbar» am Greenfield

 Die «Ansprechbar» ist ein metallisch eingerichtetes Zelt der Festivalseelsorge inmitten des Greenfield-Festivals – das wohl grösste Festival für Punk, Metal und Hardcore-Fans im Kanton Bern.

Die Festivalseelsorge an der «Ansprechbar» hat ihren Grund: Dass nämlich gerade an einem Festival der harten Musik Menschen mit harten Gefühlen unterwegs sind, schliesst nicht aus, dass viele offene und teilweise unbearbeitete Lebens- und Glaubensfragen aus dem Alltag ans Festival mitgebracht werden. Dass ein Mensch sich unter 82000 Menschen vielleicht doch auch mal alleine fühlt, wird gerne mal kaschiert, da es sich in unserer Gesellschaft niemand leisten kann, keine Freunde zu haben. An der «Ansprechbar» finden diese diffusen Gefühle Gehör und damit einen Raum, in dem sie ernstgenommen werden. Das Team der Festivalseelsorger*innen war ansprechbar für über 700 Festivalbesucher*innen.

Einsatz für eine friedliche Festivalkultur

Hinter der Idee der Festivalseelsorge steckt ein Kernteam, das gemeinsam mit der Festivalleitung des Greenfields ein Seelsorgekonzept entwickelt hat, um eine friedliche Festivalkultur am Festival zu fördern. Als Träger wirken am Greenfield die «Metalchurch», ein Verein, der den christlichen Glauben und Metal verbindet, und der neu gegründete Verein «Festivalseelsorge Schweiz», der sich darauf spezialisiert, Festivalseelsorge auch an weiteren Festivals aufzubauen. Ich selbst konnte die Festivalseelsorge an der «Ansprechbar» grundlegend mit Claude Bachmann und Samuel Hug aufbauen und umsetzen und freue mich nun, die Idee mit Claude Bachmann und Viktor Diethelm im Verein «Festivalseelsorge Schweiz» auszubauen. 

«Die Ansprechbar hilft, egal ob man religiös ist, oder nicht»

 So klingt eines von vielen Feedbacks eines Festivalbesuchers, das mich besonders freute. Denn es bringt zum Ausdruck, was mir persönlich am christlichen Glauben besonders wichtig ist: Sich Menschen dort zuzuwenden, wo sie zuhause sind: in ihren Gefühlen, in ihren Lebensfragen, in ihren Gottes- und Weltbildern.

Manchmal lassen sich die im Alltag angestauten Gefühle nicht nur im Moshpit und beim Pogen vor der Konzertbühne ausdrücken, sondern brauchen ein offenes Ohr von einem Gegenüber, das sich Zeit nimmt, Menschen mit diesen Gefühlen professionell zu begleiten. Und zwar nicht erst nach dem Festival in einem unbekannten Setting, sondern vor Ort: Am Festival selbst, zwischen monströsen Bässen der grossen Bühnen, Werbeartikeln von Ovo, ausgefallenen Outfits der Festivalbesucher*innen und den Nachwehen vom stolzen Biergenuss.   

 

Fabio Buchschacher